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uwe seeler und das mysterium über die frage: heißt nicht falsch gleich richtig?

guten tag da draußen im bituniversum.
kurz gesagt, handelt dieser artikel weniger vom uwe, welcher nun bei edeka seiner rente frönt. ihm hat deutschland sicherlich in puncto fußball und der vermarktung seiner person einiges zu verdanken, mir dient er aktuell als eselsbrücke für die tröten, welche mich nach der rückkehr von meiner längeren reise als einer der vielen deutschlandtypischen diskussionspunkte in den medien ein "typisch deutsch" seufzen lassen. natürlich beschweren wir uns über alles, was laut ist und lärm macht. sei es der flughafenlärm, den wir nicht ertragen wollen und daher in randgebiete verbannen, jedoch auf flugzeuge nicht verzichten können, da uns diese in unsere erholungstempel weit weg von der regelungenbelasteten heimat bringen werden; sei es das laut kreischende kind im bus, für das alle nur bedingt verständnis haben, da wir ja kinder brauchen, aber eben keinen lärm wollen oder sei es eine vuvuzela, welches zwar zum traditionellen begehen eines fußballspiels in südafrika seit der überwindung der apartheid in der politischen haltung nach außen hin verwendet werden darf, nur leider des deutschen gehör mit einem bienensummen zu 90-minütigem tinnitus verhilft.

die deutsche toleranz ist eine stark geprägte und nicht erst seit wallraffs mahnende enthüllungen gemaßregelt und dennoch aufmüpfig engstirnig. zumindest scheint dies so. laut zeitungen gibt es immer gründe, sich zu beschweren. die nachbarnationen halten es bei einigen, dieser "gewollten missstände" bei einem no se preocupe oder c'est la vie. nicht so der deutsche. bei fußballübertragungen braucht er grundsätzlich den ton. den von bela rethy und seinen kollegen und im hintergrund den ton, den die wabernden publikumsmassen erzeugen. schland, hymnen, pfiffe, laola und so weiter. kein walkürenritt der biene maja und ihren freunden. daher beschwert man sich. es ist ein anderer ton, ein störender.

mir geht die pöbelei relativ am hinterteil vorbei, machte ich doch die erfahrung, dass es ein über generationen anerzogener bestandteil der deutschen kultur ist, leise zu sein. still sitzen, klappe halten - lernen wir schon in der schule. eine grundsätzlich löbliche erziehungshaltung ist es selbstverständlich, den kindern zu vermitteln, dass es, wenn jemand die güte besitzt, ihnen etwas beizubringen oder generell auf sie einredet, ein minimum an respekt des gegenübers bedeutet, wenn man so lange still und aufmerksam ist, bis man an der reihe ist, selber los zu legen.
danach macht es nur selten jemand. (sobald auf durchzug geschaltet wird, heißt es dann no se preocupe)
gerade aber in den dichtbesiedelten lauten großstädten beschweren sich erwachsene gerne ausgiebig über die lautstärke von kindern, die aufgrund von schulhöfen, kindergärten und immer seltener genutzten spielplätzen nun einmal unüberhörbar für anlieger sind.
in einem lokal in deutschland wird ungern ein umherlaufendes kind gesehen. halt die klappe und iss, heißt es eingesprerrt in den übermäßig sicherheitsgeprüften kinderhochsitz.
während des essens verhalten sich alle ruhig und gesittet. nach dem essen, zum kaffee oder cognac kommt der kleine, selbstverständlich leise familienplausch, das kind sitzt immernoch in seinem tüv-geprüften fort knox und darf die erwachsenen nicht stören. es fängt an, maulig zu werden. maulig vor langeweile. ich wäre an seiner stelle genau so angekotzt. zumal der kinderteller sicherlich keine lukullische offenbarung war. "wenn du nicht mehr maulig bist, gibt's ein eis". ganz tolle erziehungsnummer, mutti! sorge dafür, dass dein kind stumpf und fett wird.
in spanien sitzen kinder auf dem schoß ihrer verwandten oder bekannten oder direkt auf einem ordinären stuhl. so, wie die erwachsenen. nach dem essen läuft es durch das restaurant und schließt mit allen anwesenden freundschaft. es ist ihm dann auch völlig egal, dass sein gegenüber entweder ignoranz oder bestenfalls exotisches gebrabbel erwidert. nach einer halben stunde ist die show vorbei, das kind wird müde, kuschelt sich an omis bein und sitzt ganz von alleine brav und ruhig am familientisch. eine situation, wie sie vielleicht nicht immer vorkommt, aber zumindest bewundernd beobachtet werden konnte.
gut, die spanier sind grundsätzlich ein lautstärkeerprobtes volk, drei von ihnen schaffen es, ein leeres café wie einen überfülltes bierzelt auf dem oktoberfest klingen zu lassen, aber wenigstens brauchen sie keinen alkohol, um aus sich raus zu kommen.
mir kommt der wissenschaftlich natürlich nicht belegte gedanke, dass die deutschen in ihrer früherziehung zum hintergründig sein dazu verdammt sind, ihre gehemmte hülle erst mit einschränkung ihres bewusstseins abstreifen zu können und demnach den lärmpegel, den sie ertragen an dem, den sie im entsprechenden zustand selbst produzieren können, messen.
gut, im umkehrschluss hätte wahrscheinlich kein verkaterter mensch dieser welt ein ausgeprägtes bedürfnis, sich direkt von einer vuvuzela antuten zu lassen. dieser punkt ist damit abgehakt.
der nächste gedanke, der mir kommt ist die frage, ob unsere regierung vielleicht daher schon immer recht entscheidungsschwach war, weil sie angst hat, die klappe auf zu machen und vielleicht etwas falsches zu sagen? die bisher umgesetzten ideen waren im verhältnis zu den angekündigten recht wenig und gerne auch mal nicht die besten. das, was zukünftig für uns geplant ist, verleitet mich schon fast dazu, wieder abzuwandern, aber das wäre wieder eine typisch deutsche reaktion auf sichtbares elend: still halten und vorbeigehen...



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