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heute nacht geträumt:

in recht gutem timing und schnellen schritt sprinte ich in der morgendlichen schwüle zum ubahn-schacht, erhasche im vorbeigehen eine zeitungsschlagzeile im sommer(loch) 2008: "skandal im berliner zoo! knut hat dörfler gefressen! das bruno-gen entdeckt?" und hüpfe in die abfahrbereite bahn in richtung innenstadt.

ich komme wieder einmal eine halbe stunde zu früh zur arbeit, bald ist wieder ein gleittag voll, denke ich mir, als ich in aller ruhe auf den anschlusszug warte und bereits zum vierten mal per anhalter durch die galaxis lese. ich arbeite nun nicht mehr für den großen japaner, sondern für zwei kleine hessen und kümmere mich darum, nach ankunft an der zielhaltestelle, noch schnell ein paar blumen für die nullende sekretärin zu besorgen.

bald nulle ich auch (so in fünf jahren das nächste mal) und frage mich, ob irgendjemand so einen aufriss für mich machen würde.

ein bunter strauß sommerblumen und eine schachtel niederegger-marzipan, welches sie liebt, wird gekauft und ich bin stolz über meinen einfallsreichtum. fräulein schmidt ist die geborene sekretärin, aufmerksam ohne ende und überaus zuverlässig, präzise, organisiert.

gut, sie gewinnt nicht gleich einen preis für ihre äußere erscheinung und manchmal ist ihr ordnungswahn, gepaart mit einigen selten vorkommenden gefühlsausbrüchen nicht gerade die jackpot-werbetafel in puncto "nimm mich jetzt!", nur macht ihr seit wohl mehreren jahren anhaltender notstand die arme frau an ihrem dreißigsten geburtstag zu einer, nun ja, eher tragischen erscheinung.

sie gehört definitiv in die kategorie der frauen, die felsenfest davon überzeugt sind, dass mit dreißig alles vorbei ist, keine chancen mehr auf spannende neuentwicklungen lauern und man sowieso keinen mann mehr abbekommt, sich also auch kinder und halbwegs faltenfreien sex abschminken und ebensogut das straßenpflaster vor dem bürogebäude mit deformierten körperscherben zieren könnte.

glücklicherweise denkt sie nicht an selbstmord, nein, ihr mitteilungsbedürfnis hierzu hat es mir verraten, sie ist lediglich komplett frustriert und, als ob das nicht schlimm genug wäre, dreißig.

vereinsamte, zellulitisgeprägte, gefühlt reizfreie dreißig.

und sekretärin.

die mary poppins des büros.

unsere frau schmidt.

ich weiß nicht warum, aber ich stand den ganzen tag mir ihr gemeinsam durch. in ihren augen bin ich eher der grünschnabel, nicht lang genug in der firma angestellt, nicht lang genug auf der welt, nicht lang genug an der uni. überhaupt nicht an der uni. eigentlich hätte sie, nach ihren konventionen, keinen grund, mich auch nur eines blickes zu würdigen, aber sie hat sich scheinbar an mich gewöhnt.

brav habe ich das geschenk abgeliefert, für das einen tag vorher alle noch gesammelt haben, dabei mein bestmöglichstes lächeln aufgesetzt (wofür leider kein geld gesammelt wurde) und ihr alles liebe gewünscht.

richtig, alles liebe. nicht alles gute, weil ich weiß, dass es an ihrem geburtstag und scheinbar in ihrem ganzen leben absolut nichts gutes gibt und geben wird - sie hätte sonst auch keine grundlage zum debattieren.

sie arbeitet nur vormittags und ich beschloss, mit ihr gemeinsam feierabend zu machen. sie fragte mich, ob ich nichts besseres zu tun hätte - nicht, weil sie mich loswerden wollte, sondern weil sie sich scheinbar für unwürdig hielt, die zeit anderer menschen zu beanspruchen.

erst jetzt merke ich, dass die frau zwar auf dem papier dreißig ist, in den augen mindestens doppelt so alt zu sein scheint und sich aber der welt gegenüber verhält, als wäre sie ein minderbemitteltes kleinkind.

ich habe mich nicht gefragt, warum sie das tut, sondern ihr vorgeschlagen, irgendwo etwas zu essen und auf ihren geburtstag anzustoßen.

zu meiner überraschung hinterfragte sie meinen vorschlag nicht wieder mit dem "meint die das jetzt ernst?"-blick und setzte sich mit mir beim chinamann auf die terrasse.

der chinamann ist das einzige bisschen infrastruktur in dieser industriewüste mit bürovalley. drum herum gibt es nichts.

wir scherzen über unkenntlich gemachte fisch- und fleischbeilagen und versuchten diese irgendwelchen tieren dieser welt zuzuordnen.

ich glaube, danach waren wir betrunken von diesem widerlich süßen pflaumenwein, der sich wie brause ohne kohlensäure trinkt und mit einem mal fing sie an zu lachen.

erst war es so ein winziges, "ich bin dingelig"-lachen, dann wurde es ein crusty-der-clown-gewitter und plötzlich ging ihr herzhaftes lachen in ein jämmerliches heulen über.

ich brauchte sie nicht fragen, ob ich was für sie tun kann, sie lag bereits halb auf mir drauf, mit den armen an meinen hals gehängt.

mir blieb nicht viel anderes übrig, als sie festzuhalten und nichts zu sagen.

nach einer gefühlten ewigkeit ließ sie von mir ab und entschuldigte sich tausendmal.

mein augenrollen machte ihr verständlich, dass alles okay ist, was ihren ausbruch anbelangt und wir gingen den abwasserkanal bis zur schleuse am fluss entlang.

es war gerade früher abend, also noch fern jeglicher dämmerung, da der sommer die tageshelligkeit optimistisch lang erhielt.
am ende des kanals, der hinter der schleuse in den fluss mündet, gab es eine bushaltestelle die auch als sammelstelle bei flut dienlich ist. dort stieg sie in ihren bus, auf den wir gemeinsam fast eine halbe stunde warteten und verabschiedete sich von mir. ich glaube, sie hat gelächelt. nicht dieses "freundlich zum chef/kunden/authorität x"-lächeln, sondern ein ernsthaftes "netter abend"-lächeln. es sah ganz anders aus, als hätte sie es schon lange nicht mehr gemacht.
ich hätte es mir natürlich auch einbilden können, schließlich waren wir betrunken von pflaumenwein.

Kommentare:

  1. Rodrigo3:36 vorm.

    Oi, achei teu blog pelo google tá bem interessante gostei desse post. Quando der dá uma passada pelo meu blog, é sobre camisetas personalizadas, mostra passo a passo como criar uma camiseta personalizada bem maneira. Até mais.

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  2. find ich stark, verstehst den blog, kommentierst portugiesisch und willt dann hemden (?) aufdrängen? du hast nerven, bot!

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