Es ist ein Fehler bei diesem Gadget aufgetreten.

süßes, fettes leben

in aller munde ist die diskussion über fettsucht schon seit längerem. killerspiele gepaart mit der extra portion milch in einer tafel schokolade zwischen frühstück und mittagessen, alles mehr oder weniger bekannt und nach wie vor der renner in late night talkshows.
nun plant der staat, die süßigkeiten teurer zu machen, ihnen die lebensmittelsteuer abzuerkennen und die 19%mwst aufzuerlegen.
das macht grob umrissen den schonmal-erlebt-eindruck aus der tabak-ist-böse-politik.
das ist prinzipiell okay, auch wenn es nicht annähernd dem gewünschten effekt entsprach.

traurig wäre es, wenn naschen teurer wird, weil man den menschen keine eigenverantwortung mehr zutrauen kann. obst und gemüse im gegenzug billiger zu machen, ist natürlich kein wirkungsvolles prinzip, um den konsumenten entgegenzukommen.

auf eine art schreien alle, weniger kontrolle durch den staat, aber es ist ja auf der anderen seite so viel einfacher, die verantwortung komplett abzugeben, zumal man durch das überhäuft werden von "gesunden" süßigkeiten schnell den überblick verlieren kann.
hängt fettsucht allein von der existenz und der schnellen verfügbartkeit von sogenannten dickmachern ab? frustfressen, weil der typ einen verlassen hat oder man kurz ein opfer des prä-, peri- und postmenstrualen syndroms ist? weil das leben prinzipiell nicht ganz so einfach unter kontrolle zu bringen ist?
ich meine, einfach ist es nicht, gerade für kinder, zu merken, wann schluss ist, wann noch etwas lecker ist und wann man fettsucht hat. fettsucht klingt wie eine krankheit. fettsteuer wie rezeptgebühr.
in unserer firmenkantine wird mehr als fettig gekocht. das essen ist dort immernoch am billigsten, wenn man sich, umringt von bürotürmen, nach etwas mittagszeitlichem umsieht. man mag nicht jeden tag salat essen, die frittenbude kommt der kantine gleich, preislich ist höchstens der schokoriegel beim s-bahn-höker billiger. dann ist es natürlich vollkommen richtig, gerade den teurer zu machen, damit man doch lieber die fettkantine besucht und sich ökonomischer den magen ruiniert.
als nächstes gehen wir in einen supermarkt, nicht der discount umme ecke, sondern der überall auffindbare rewe. qualität oben, preise unten - oder ähnlich - glänzt es von den überdimensionierten einkaufstüten.
es ist ende des geldes, nicht ende des monats.
im eingang: die obst und gemüse-abteilung raubt dem einkäufer zu beginn den appetit. wenn etwas nicht alt und vergammelt aussieht (oder überhaupt mal da ist), ist es zumindest der preis, bei dem einem der atem stockt. nicht selten paprika für 6,99/kg. das wären nicht ganz drei paprika für nicht ganz vierzehn mark. die sehen alles andere als appetitlich und gesund aus.
weitergehend: der obst+gemüse-saft, mit life-style-namen à la "knorr vie" oder "fruit 2 day" (bei aldi gibt es leckere kornflakes mit dem herrlich lächerlichen titel "aldi - gut for you") hätte angeblich das tagespensum sämtlicher gesunder sachen für ein schweinegeld zu bieten. natürlich ohne zuckerstoffe. das gibts also für die bewusst lebende mami. das kleine nebendran bekommt den obstmatsch aus dem joghurtbecher, in welchem mehr zucker und künstliche aromen als vitamine vorhanden sind und natürlich irgendeins dieser tollen kinder-milchprodukte ("milch ist ja so gut für die zähne"...). "morgens, halb zehn in deutschland" packen alle ihr knoppers aus. "weck den tiger in dir" davor, der "plantagentrunk" dazu und abends, kurz vorm pennen kommen käpt'n iglu und der blubb.
nahe der kasse, gegenüber der kosmetik- und hygiene-produkte-abteilung für die "moderne frau von morgen", die außerordentlich gefüllte süßwarenabteilung. das produktsortiment beträgt das doppelte von der auswahl an gemüse.
okay.
die schlange zur kasse, inklusive tabak- und kaugummibörse wird also von den naschis schützend umsäumt, aber das ist alles kein problem, uns fällt am ende unseres einkaufs sicherlich ein, was wir vergessen haben, zu besorgen...
wenn's zu eng wird, gibt's einen familienausflug zum goldenen m oder 3 euro für das mittagessen nach der schule bei kazimkingofkebap.
hallo leute, merkt ihr, woran's liegt? doch nicht etwa daran, dass man kein vermögen für süßkram ausgibt. es ist einfach da und es muss nicht weg. "gemüse schmeckt nicht" sagt jeder, der von tonnenweise natriumglutamat betäubt wurde -weil es so ist.
drei tage gesund essen und niemand vermisst pizzahut oder ben + jerry's.
sporadisch pizzahut oder ben + jerry's macht einen auch nicht zum diabetiker.
fettsucht kommt also nicht daher, dass die dickmacher so billig sind, sondern alles andere teuer. hinzukommt überall werbung für fetthaltiges, zuckerreiches und fertiggerichte.
die zeit, sich einen frischen salat zurecktzumachen, dazu den gemüsebratling aufzutischen, hat man nunmal nicht zwangsläufig, wenn man vollzeit arbeitet und außerdem sport macht (man will ja nicht fett werden, nicht wahr?). mit familie wirds noch schwerer.
worum macht ihr euch eigentlich einen kopf?
oh, es wird spannend und egal, wie es wird, sie werden uns nicht fragen, aber gut, dass sich jemand darum kümmern möchte...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen